Flüchtlinge privat aufnehmen – wie geht das?

Ein Neustädter Ehepaar berichtet über seine Erfahrungen

Der Winter naht mit großen Schritten, und noch immer wohnen laut Sozialbehörde im November in Bremen rund 1000 Menschen in Zelten und viele Tausend in Übergangsunterkünften. Andererseits sind in diesem Jahr auch schon rund 1500 Flüchtlinge privat untergekommen. Wie geht das eigentlich? Welche bürokratischen Hürden und Gefahren lauern? Ein Neustädter Ehepaar hat sich bei der Neuvermietung seiner Fünf-Zimmer-Wohnung bewusst für eine afrikanische Flüchtlingsfamilie entschieden.

Ein rot geklinkertes Altbremer Haus in der Neustadt: Die Besitzer, Eva G. und Johannes W., bewohnen Hochparterre und Souterrain. Die beiden oberen Etagen des Zwei-Familienhauses haben sie jahrelang an Freunde vermietet, mal mit und mal ohne Kinder. Jetzt, zum Ende des Jahres, wird die Wohnung wieder frei. „Da die Not so groß ist, haben wir uns überlegt, diesmal nicht an Freunde, sondern an Flüchtlinge zu vermieten“, sagt Johannes „Wir wollten gerne eine afrikanische Familie aufnehmen.“

Johannes K
Johannes W. und seine Frau haben sich bewusst dafür entschieden, eine sechsköpfige afrikanische Familie aufzunehmen. Anfang Dezember ziehen sie ein.

Als abzusehen war, dass die Fünf-Zimmer-Wohnung frei würde, nahm er sich einen Zeitungsartikel vor, den er aufgehoben hatte. Hier war Andrea Nolte-Buschmann von der AWO als Kontaktperson für die Vermittlung von Wohnraum an Flüchtlinge angegeben. Sie ist von der Sozialbehörde damit beauftragt und steht in Kontakt mit den Wohnraumvermittlern der verschiedenen Übergangswohnheime in Bremen. Nach dem Telefonat schickte sie sofort eine Kollegin vorbei, die sich die Wohnung ansah. Fünf Zimmer, Küche und Bad auf 100 Quadratmetern in einer hübschen, zentral gelegenen Wohnstraße: ein Filetstück – das sah auch die Kollegin von der AWO so. „Und sie hatte sofort eine passende Familie im Kopf“, erinnert sich der Neustädter. Eine alleinstehende Nigerianerin mit fünf Kindern.
Jetzt wurde es konkret. Der Leiter des Übergangswohnheims, in dem die junge Frau derzeit noch mit ihren Kindern untergebracht ist, vereinbarte mit Eva und Johannes ein Treffen in der Wohnung. „Natürlich waren wir auch ein bisschen aufgeregt“, sagt Johannes. „Denn sympathisch sollte man sich schon sein, wenn man so nah beieinander wohnt.“
Die junge Mutter kam mit ihrem vier Monate alten Säugling und einem Sozialarbeiter vorbei. In dem kurzen Gespräch auf Englisch erfuhren Eva und Johannes, dass sie erst seit ein paar Monaten hier ist, das jüngste Kind aber bereits in Deutschland geboren wurde. „Wir haben jetzt noch einen zweiten Besichtigungstermin ausgemacht, weil die anderen Kinder – die Älteste ist zwölf Jahre alt – die Wohnung auch gerne sehen wollten. Morgen kommen alle sechs“, schmunzelt Johannes. „Da bekommen wir schonmal einen Eindruck, wie lebhaft es hier im Hause wird.“ Dann soll auch der Mietvertrag unterschrieben werden.

Bürokratisches
Vertragspartner sind dabei der Flüchtling und der Vermieter. Denn: „Unabhängig vom Status bezahlt nicht Bremen die Miete, sondern der Flüchtlinge selbst“, erklärt Bernd Schneider von der Sozialbehörde. „Je nach Status bekommt er das Geld für die Miete nach dem AsylBLG, SHB II oder XII.“ Also ist der normale Weg der Miete: vom Amt aufs Konto des Flüchtlings, aufs Konto der Vermieter. Johannes und Eva wird die Miete allerdings direkt vom Amt auf ihr Konto überwiesen. Das ist nicht die Regel, aber auch nicht ungewöhnlich. Darauf haben sich in diesem Fall die Parteien geeinigt.
Und was bekommen die beiden Neustädter nun für ihre Fünf-Zimmer-Wohnung in Citynähe? „Den marktüblichen Preis“, sagt Johannes. Wichtig für potentielle Vermieter ist es zu wissen, dass es für die Höhe der Miete Richtwerte gibt. „Nach dem Sozialgesetzbuch darf der Staat nur eine ‚angemessene‘ Miete übernehmen“, so Bernd Schneider. Was das bedeute, müsse die jeweilige Kommune vor Ort festlegen. Da es in Bremen keinen qualifizierten Mietspiegel gibt, hat das Sozialressort ein Institut mit der Erhebung von Wohnungsmarktdaten beauftragt. Sie bilden die Grundlage für eine Verwaltungsanweisung „Kosten der Unterkunft“.
Eva und Johannes jedenfalls sind zufrieden. „Es war von Anfang bis Ende alles so unkompliziert und hat geklappt wie verabredet. Das hat mich positiv überrascht“, zieht Johannes Bilanz. Er habe damit gerechnet, dass bei dem enormen Verwaltungsaufkommen derzeit alles drunter und drüber gehe, aber das Gegenteil sei der Fall gewesen. Anfang Dezember kann nun die sechsköpfige Familie aus Nigeria einziehen.

Wohnungen in Bremen:

Andrea Nolte-Buschmann
bei der AWO Bremen
a.nolte-buschmann@awo-bremen.de
Telefon 0421/24 71 90 18 und 0421/33 77 187

Für Gebäude und Grundstücke wurde eine zentrale E-Mail-Adresse eingerichtet:
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Wohnungen in Bremerhaven:

Nelly Linke-Vergouwe
0471/4 33 97

WG-Zimmer-Vermittlungen
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