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Do, 14. November 2019

Tag der Integration im Bremer Rathaus

Beim Tag der Integration haben am Mittwoch, 13. November, im Bremer Rathaus Bürgermeister Andreas Bovenschulte und Senatorin Anja Stahmann beim sogenannten „Integrationspolitischen Ratschlag“ mit 80 Aktiven aus Politik und Verwaltung im Kaminsaal über aktuelle Fragen der Integrationspolitik diskutiert; darunter Vertreterinnen und Vertreter des Bremer Rats für Integration (BRI), des Landesnetzwerks Migration, des Netzwerks gegen Diskriminierung und der Deputation für Soziales, Jugend und Integration.
Nach der verstärkten Zuwanderung in den Jahren 2015 und 2016 werde es integrationspolitisch immer wichtiger, den Blick auf Zugewanderte zu lenken, die bereits seit längerer Zeit bei uns leben, so Senatorin Stahmann. Im Zentrum müsse die aktive Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft stehen.
Lucyna Bogacki und Basem Khan vom Vorstand des BRI überreichten ein Positionspapier mit Forderungen an die Bremer Politik und Verwaltung. „Wir sehen den dringenden Bedarf, eine grundsätzliche Regelung für Rahmenbedingungen einer fairen Prüfungssituation für alle Berufssparten zu schaffen“, heißt es darin. Das betrifft vor allem Probleme beim Verständnis der oft kompliziert oder abstrakt formulierten Prüfungsfragen. Darüber hinaus fordert der BRI einen Erlass für das Land Bremen, der die Erteilung eines Aufenthaltstitels regelt. Bisher gibt es lediglich die Ausbildungsduldung, die laut Positionspapier des BRI „… eine vorübergehende Aussetzung der Abschiebung (ist). Und diese vorübergehende Aussetzung ist an den Erfolg der Ausbildung gebunden.“ Ein Zustand, der die Prüflinge enorm unter Druck setzt.

Café der Begegnungen am 13. November in
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v.l. Hoda Mobasher (Baha’i Gemeinde), Zaki Warsame (Somalischer Verein), Adrian Adu (Men of Color), Rainer Schmidt (Referat Integrationspolitik), Tahsin Jundo (Jesidische Gemeinde Bremen), Mircea Ionescu (Jüdische Gemeinde Bremerhaven), Darinka Dimitrova (Chancenraum Bremen), Nisa Gelen (DITIB), Ali Naki Tutar (Rat & Tat Zentrum)

Café der Begegnungen

Am Nachmittag des 13. November dann kamen 160 geladene Gäste, Menschen aus verschiedenen Stadtteilen Bremens und Bremerhavens, in der Oberen Rathaushalle zum sogenannten „Café der Begegnungen“ zusammen. Es gab Kaffee und Kuchen für Ehrenamtliche der Flüchtlings- und Integrationsarbeit, Engagierte aus Stadtteilinstitutionen, Aktive aus dem Sport sowie Beiratspolitiker*innen, darunter Geflüchtete, Zugewanderte, Einheimische.
An einem Dutzend runder Tische wurde moderiert diskutiert. Einen Impuls für die Diskussionen über das Thema „Diskriminierung“ gab der Slam-Poet Adrian Adu. Die von ihm vorgetragenen Poems handelten von Heimat, Vorurteilen und „Missvertrauen“ Adu: „Die dümmste Frage der Welt lautet ‘Woher kommst du?’“ Ist diese Frage bereits diskriminierend oder nicht? Adu hasst diese Frage, findet sie als in Deutschland geborener Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers zwar einfach zu beantworten, doch gesteht ihm die hiesige Gesellschaft seine Identität als Deutscher aufgrund seiner Hautfarbe nicht bedingungslos zu, sondern insistiert bei seiner Antwort mit „nein, ich meine ‚wirklich‘ – du weißt schon, was ich meine.“ Fängt erst hier die Diskriminierung an oder schon bei der Frage „Woher kommst du?“
Frauen und Männer verschiedener Generationen aus der Türkei, Somalia, Ägypten, Deutschland, gläubige Baha‘i, Juden, Christen, Jesiden, Moslems, Homo- und Heterosexuelle saßen an einem Tisch, um sich über, teils sehr persönliche Diskriminierungserfahrungen, aber auch Irrungen und Wirrungen durch Vorurteile auf beiden Seiten, zu unterhalten.
Bremen ist bunt und vielfältig, wie Bürgermeister und Sozialsenatorin an diesem Tag nicht müde wurden zu betonen. Doch die Frage ist: Können wir alle damit umgehen? Während der Diskussion wurde klar: Es gibt noch viel zu tun – angefangen bei Kinderbüchern und der Erziehung in der Kita bis hin zur Lehrerausbildung. Welche Rolle spielen die Medien, nicht nur in der Berichterstattung, sondern auch in Filmen und Serien, die oft mit Stereotypen arbeiten?
Die Zeit an diesem Mittwochnachmittag war einfach zu kurz. In den angesetzten 80 Minuten konnte lediglich ein Anfang gemacht, Sympathie, Interesse und Verständnis geweckt und für die Thematik sensibilisiert werden. Einander begegnen und kennenlernen mit Respekt, Feingefühl und Humor kann unseren Blick weiten. Doch die etwas umständlich anmutende Frage „Hast du Wurzeln im Ausland?“ oder „Wie sind die Wurzeln deiner Eltern?“ statt „Wo kommst du her?“ wird dem einen oder der anderen womöglich trotzdem schwer über die Lippen – wahrscheinlich nicht einmal in den Sinn – kommen. Aber ehrliches Interesse ist auf jeden Fall ein Anfang!

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